Schlesisches Tagebuch

Liebeserklärungen und andere Merkwürdigkeiten

Wer’n mir leben, wer’n mir sehen

Wenn es einen schlesischen Leitspruch gibt, dann ist es wahrscheinlich dieser. Wie oft habe ich diesen Satz aus Peters Mund vernommen und wie lange habe ich gebraucht, an Stelle der ursprünglich vermuteten Floskelhaftigkeit die wirkliche Tiefe dieser Sentenz zu erkennen, das in ihr steckende, von jeder Skepsis freie Vertrauen darauf, nichts Wesentliches im Leben zu versäumen, die demütige Ergebenheit in den Lauf der Dinge, an dem wir so lange teilhaben, wie das Leben uns erhalten bleibt, die selbstverständliche und sehr unverblümte Einsicht zugleich, dass alles irgendwann ein Ende hat.

„Wer’n mir leben, wer’n mir sehen“ – Ist es nicht eigentlich genau das, was so vielen von uns in einer schnelllebigen und von Termindruck geprägten Zeit ganz und gar abhanden gekommen ist, an dessen Stelle vielmehr nicht selten das Gefühl tritt, den ganzen Tag über den Dingen nur nachgelaufen zu sein, sie aber niemals erreicht zu haben?

Vielleicht braucht es die Möglichkeit, seinen Blick auf einen fernen Horizont über den schlesischen Feldern richten zu können, um die Gelassenheit zu erreichen, das Leben in Ruhe und Zufriedenheit genießen und den Tod als unabänderlich akzeptieren zu können.

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