Schlesisches Tagebuch

Liebeserklärungen und andere Merkwürdigkeiten

Waschtag

Wie so viele andere meiner Generation auch bin ich natürlich angetreten, alles besser zu machen. Das galt für das Große und Ganze ebenso wie für das Private, wiewohl bei Letzterem der Bedarf nicht immer deutlich und schmerzfrei zu akzeptieren war. Natürlich ist es leichter, den amerikanischen Imperialismus anzuprangern als hinzunehmen, dass man ein ziemlicher Macho ist. Das auch noch zu ändern, ist – wie ich erfahren musste – ein großer Kraftakt, der letzten Endes auch zu nur sehr bescheidenen Ergebnissen geführt hat.

Eines dieser Ergebnisse war, dass ich über die Jahre hinweg zumindest lernte, die Waschmaschine zu bedienen und die nasse Wäsche an einer Leine zu befestigen. Die Selbstverständlichkeit, mit der ich diesen Verrichtungen irgendwann nachkam, ist allerdings in Schlesien einer großen Erschütterung ausgesetzt worden.

Es war ein sonniger Tag, wie gemacht für einen Waschgang, und so hatte ich mich daran gemacht, die Maschine zu bestücken und bei mehreren Tassen Kaffee im Schatten sitzend auf das Ende des Waschprogramms zu warten. Schließlich war es so weit, ich bewaffnete mich mit einem Korb, schritt zur Leine und machte mich daran, den Trockenvorgang einzuleiten.

Nun ist es so, dass sich Besuch in Schlesien in der Regel nicht anmeldet. Das ist ein Phänomen, das jene Zeiten, in denen keine entfernungsüberbrückenden Kommunikationsmittel wie Telefon, Fax oder E-Mail zu Verfügung standen, überdauert hat. Wollte man damals jemanden besuchen, so musste man hingehen – auch auf die Gefahr hin, dass niemand da war oder der Besuch ungelegen kam. So ist es heute noch. Zwar nennt zumindest der moderne Schlesier Handy und Computer sein eigen, doch Besuche macht er immer noch direkt.

Dies geschah an jenem heißen Sommertag. Gerade kämpfe ich mit einem Betttuch, das sich als zu schwer für die Leine erwies, als ich aus dem Augenwinkel bemerkte, dass jemand an unserem Gartentor stand: Roland.

Instinktiv wusste ich, dass ich ertappt worden war, und auch wenn dies nichts mehr änderte, tat ich so, als hätte ich ihn nicht bemerkt…

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Die Fortsetzung findet sich im Schlesischen Tagebuch Bd.2, 56 Seiten, Format A4, Klebebindung mit zahlreichen farbigen Fotos, für 15 Euro bestellbar hier

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