Schlesisches Tagebuch
Liebeserklärungen und andere MerkwürdigkeitenSchlesisches Tagebuch – Eine Rezension
Michael Hausherr: Schlesische Tagebücher. Krefeld 2007.
Eine wohltuende und endgültige Überwindung des Revanchismus! Schlesien, besser Oberschlesien, das waren für die Nachkriegsgenerationen durch den Kalten Krieg besetzte Begriffe; die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie, zuletzt die EU-Ost-Erweiterung, schafften zwar die Grundlage für die Bewältigung historisch begründeter Ressentiments, aber doch immer vordergründig noch zu sehr auf realpolitischer Ebene, weniger für die Mentalität der konkret betroffenen Menschen beiderseits der Grenze.
Hier eröffnen die jetzt vorgestellten „Schlesischen Tagebücher“ von Michael Hausherr eine neue Form des überfälligen Diskurses. Autobiographisch begründet richtet Hausherr einen frischen, unverstellten Blick auf Schlesien und mischt in gekonnt essayistischer Form Geschichten mit Geschichtlichem, breitet die notwendigen geographisch-politischen Fakten als Basis für Verständnis aus und weckt bei den Leserinnen und Leser nachhaltiges Interesse für diese in unserer gegenwärtigen Realität noch zu unbekannte Region im Herzen Mitteleuropas.
Am vergangenen Sonntag hat Michael Hausherr aus den „Schlesischen Tagebüchern“ vor interessiertem Publikum gelesen und in den vorwiegend dokumentarisch begründeten – im engeren Sinne – literarischen Texten vermag er nicht nur als Schriftsteller, sondern auch rhetorisch allerbestens zu überzeugen.
Gekonnt gestaltete eigene Fotos vermitteln ein unaufgeregtes Bild von Landschaft und Menschen, durchdrungen mit privaten Motiven. Die „Tagebücher“ erschließen so das Thema Schlesien gleich in mehrdimensionaler Weise wohltuend neu, wobei der Hinweis nicht fehlen darf, dass Texte und Fotos durch verträumt bis keck daherkommende Illustrationen durch seine Ehefrau, der Künstlerin Mauga Houba-Hausherr, eine perfekte Arrondierung finden. Die Empfehlung kann daher nur lauten: Unbedingt kaufen!
Jürgen Sauerland-Freer
19. März 2007
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