Schlesisches Tagebuch
Liebeserklärungen und andere MerkwürdigkeitenMit Pinsel und Kamera
Wo immer Mauga ist, da malt sie. Ist sie durch irgendwelche äußeren Umstände einmal daran gehindert, ist sie unglücklich. Es scheint beinahe so, als legitimiere sich ihre Existenz ausschließlich über die Betätigung eines Pinsels. Ein befreundeter Journalist bezeichnete Mauga in einer Laudatio einmal als „besessene Malerin“ und ich glaube, dass es sich dabei um eine durchaus realistische Einschätzung handelt: Leidenschaft jedenfalls wäre ein zu schwaches Wort.
Wer unerwartet mit Mauga konfrontiert wird, mag irritiert oder auch fasziniert sein von der sprühenden Energie, die in ihrem Umfeld frei wird. All jene, die versuchen, sich dauerhaft in ihrer Nähe einzurichten, haben allerdings mitunter Mühe, einen halbwegs bequemen Platz zu finden.
Im Bemühen eben darum bin ich ans Fotografieren gekommen. Wie schließlich sollte ich all die Pausen füllen, die sich auf unseren Ausflügen und Reisen ergaben, wenn Mauga hinter jeder Wegbiegung wild gestikulierend und lautstark einen Halt forderte, um wenigstens eine Skizze zu fertigen? In der ersten Zeit begnügte ich mich damit, zu rauchen und ihr beim Malen zuzusehen, doch stieg mein Nikotinkonsum dabei ins Unermessliche. Schon aus gesundheitlichen Gründen suchte ich daher eine alternative Beschäftigung. Versonnen in die Landschaft zu gucken, reichte mir nicht.
Schließlich kaufte ich mir eine Kamera und fortan hielt ich im Foto jene Realität fest, die Mauga malerisch umsetzte. Ohne jede Ahnung vom Fotografieren entdeckte ich dabei, dass ich zwar nie die kreative Freiheit erlangen würde, die Mauga hat. Gleichwohl wurde mir schnell klar, dass auch beim Fotografieren Handlungsspielräume gegeben sind. Natürlich lässt sich das Motiv selbst nicht verändern. Dieses Privileg hat der Maler – so er davon Gebrauch machen will. Gleichwohl kann auch der Fotograf die Dinge in Szene setzen. Und darin übte ich mich.
Im Grunde mache ich noch heute nichts anderes und doch habe ich zumindest das Gefühl, die mir von Mauga auferlegte freie Zeit mit einer mich befriedigenden Tätigkeit zu füllen.
Natürlich sind wir auch in Schlesien unterwegs. Die Entfernungen sind kleiner als bei den großen Rundreisen durch Skandinavien oder Südeuropa, doch macht es uns nicht minder großes Vergnügen, in unserem kleinen roten Fiat (von uns liebevoll auch Ferrari genannt) durch die Gegend zu schaukeln und nach Motiven zu suchen, die wir auf die uns jeweis eigene Methode verarbeiten.
Mauga hat in den letzten Jahren auf diese Weise unter dem Reihentitel „Schlesische Impressionen“ inzwischen sicher mehr als 100 Bilder gemalt, die erfreulicherweise auch bei ihren Kunden großen Anklang finden.
Die Anzahl meiner Fotografien beträgt ein Vielfaches. Dass dabei auch Mauga selbst zum Inhalt meines Displays wird, versteht sich von selbst. Behaupte niemand, es mache mir Spaß, anderen beim Arbeiten zuzusehen!
Ein sehr angenehmer Begleitfeffekt unserer Touren ist natürlich die Tatsache, dass wir zumindest unsere nähere Umgebung inzwischen kennen wie unsere Westentasche. Selbstverständlich bleibt es dabei nicht aus, dass wir immer wieder auch dieselben Orte ansteuern. Das aber hat sich bis jetzt durchaus nicht als nachteilig erwiesen. Dass nämlich viele Motive mehrfach in Maugas Bildern oder auch in meinen Fotos auftauchen, spielt gar keine Rolle: Jedesmal stellen sie sich – abhängig vom Wetter, von der Jahreszeit oder auch von der persönlichen Befindlichkeit – völlig anders dar.
Auf diese Weise jedenfalls vergehen die Tage schnell, viel zu schnell. Manchmal bleibt kaum Zeit, auf ein Gläschen und ein Schwätzchen in die nächste Kneipe zu gehen oder zwischendurch einen Happen fester Nahrung zu sich nehmen.
Die Fortsetzung findet sich im Schlesischen Tagebuch Bd.2, 56 Seiten, Format A4, Klebebindung mit zahlreichen farbigen Fotos, für 15 Euro bestellbar hier
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