Schlesisches Tagebuch

Liebeserklärungen und andere Merkwürdigkeiten

Hochzeit der Pilze

Im Herbst des Jahres 2007 feierten wir die Hochzeit der Pilze. Kaum ein anderes Thema bestimmte die Gespräche insbesondere im kleinen Dorfladen mehr als die scheinbar unaufhörlich wachsenden Pilze rund um den Ort. Im Wald und auf den Wiesen wimmelte es vor Menschen, die – ausgestattet mit großen Körben – im Grunde gar nicht groß zu suchen brauchten, sondern einfach nach Belieben zugreifen konnten – sieht man einmal davon ab, dass das Besondere und ja nicht gerade Unwichtige beim Pilzesammeln darin besteht, die Essbaren von den auf das leibliche Wohl eher nachteilig Wirkenden zu scheiden. Sachkenntnis, mindestens aber Glück sind also von großem Vorteil.

Dies ist ein Grund, warum die meisten sowieso nur die selbst gesammelten Pilze zu sich nehmen und die an den Ausfallstrassen in langer Reihe ihre Ausbeute anbietenden Sammler bestenfalls ahnungslose Touristen als Kunden anzulocken vermögen.

Was mich betrifft, so habe ich zu Pilzen keine besonders intime Beziehung; erst hier in Schlesien ist mir die ungeheure Vielfalt dieser Pflanzenart bewusst geworden, kannte ich doch bis dahin bestenfalls Champignons und Pfifferlinge.

Noch mehr aber beeindruckte mich Peters Hinweis darauf, dass Pilze offensichtlich über Nacht ihre Zielgröße erreichen können, dies aber nur dann, wenn ihnen dabei niemand zuschaut; dann nämlich bleiben sie klein und schmecken nicht.

Unabhängig davon, ob es sich dabei um Sammlerlatein handelt, gefällt mir die Idee an sich: Muss es nicht ein besonderes Vergnügen sein, ganz im Verborgenen und für sich allein zur Entfaltung zu kommen und sich erst am Ende dieses Prozesses überraschend in aller Schönheit offenbaren?!

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