Schlesisches Tagebuch
Liebeserklärungen und andere MerkwürdigkeitenGuttentag, Bergmann Hindenburg!
Meine Schwiegermutter ist geboren im oberschlesischen Hindenburg, eine Landgemeinde mit inzwischen etwa 200.000 Einwohnern in 16 Bezirken, die eine für die dortigen Verhältnisse bedeutende Größenordnung erreicht hat und als wissenschaftliches, kulturelles und industrielles Zentrum im oberschlesischen Industrierevier betrachtet werden kann. Zumindest Fußballinteressierten dürfte sie übrigens auch hierzulande bekannt sein, ist doch der dort ansässige polnische Rekordmeister „Gornik Zabrze“ jedenfalls in früheren Jahren immer wieder auch auf der europäischen Bühne vorstellig geworden – wenn auch mit regelmäßig sehr bescheidenem Erfolg. Trotzdem können, mit Blick auf die regionale Tradition dieses Vereins, durchaus Vergleiche etwa mit dem FC Schalke 04 gezogen werden: Beide Klubs haben historisch eine enge Verbundenheit mit den im Bergbau Tätigen: hier der „Gornik“, dort der „Knappe“.
Die Stadt selbst jedenfalls, als Zabrze im Jahre 1242 erstmals erwähnt, wurde am 21. Februar 1915 mitsamt dem Landkreis zu Ehren des gleichnamigen Generalfeldmarschalls in Hindenburg O.S. umbenannt, eine Episode, die im Jahre 1946 wieder rückgängig gemacht wurde, auch wenn natürlich von der dort ansässigen deutschen Minderheit immer noch der deutsche Name bevorzugt wird.
Alles in allem teilt das alte Hindenburg damit natürlich das Schicksal einer Reihe von Städten, die nach zunächst prominenten Persönlichkeiten benannt, infolge eines in der Regel aus politischen Gründen einsetzenden Popularitätsverlustes dieser Personen dann aber auch geschwind wieder zurück- oder gänzlich umbenannt wurden. Denken wir an das ehemalige Karl-Marx-Stadt, das heute weniger verfänglich Chemnitz heißt, denken wir auch an Leningrad, das nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion alsbald wieder zu Petersburg wurde.
Dass solche Namensänderungen theoretisch mitunter auch ganz praktische Vorteile böten, hat Waldek erfahren, als er aus irgendwelchen Gründen in eine deutsche Behörde zitiert wurde.
Auszug aus einem bislang unveröffentlichten Text
2 Kommentare »
Weiter so, Gruss Frank aus W.
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Die Nachbarstadt Katowice trug nach dem Krieg auch ein anderen Namen. Von 1953 bis 1956 war sie Stalinogrod. Aber die Schlesier haben trotzdem weiter in Katowice gelebt!