Schlesisches Tagebuch

Liebeserklärungen und andere Merkwürdigkeiten

Der Goldkarpfen

In einem kleinen Land weit im Osten, wo die höchsten Erhebungen die Maulwurfhügel sind, da liegt nahe am königlichen Schloss ein kleiner See. Am anderen Ufer stehen eng beieinander zwei Birken und genau zwischen diese beiden Bäume hat vor Jahren ein armer Fischer eine Hütte gebaut, in der er zusammen mit seiner Frau und den beiden hübschen Töchtern lebte.

Anfangs hatte der Fischer ein gutes Leben und viel Glück beim Fang. Jedesmal wenn er auf den See hinausfuhr, kehrte er mit reicher Ausbeute heim und was sie nicht selber aßen oder für schlechtere Zeiten räucherten, das verkauften sie auf dem Markt im Dorf, das sich rund um das kleine Schloss erstreckte.

Dann aber, von Mal zu Mal, fanden immer weniger Fische in das Netz des armen Mannes, bis er eines Tages zum ersten Mal nach Haus zurückkehrte, ohne auch nur einen einzigen Fisch gefangen zu haben. Dabei aber blieb es zu allem Unglück nicht. Auch am nächsten und übernächsten Tag kehrte er ohne Beute heim und so blieb es viele, viele Tage lang.

Natürlich wurde der arme Mann immer bekümmerter und vor allem, wenn er seine beiden Töchter vor ihren leeren Tellern sitzen sah, wollte es ihm beinahe das Herz brechen.

„Ich weiß einfach nicht mehr weiter“, klagte er eines Nachts, als er mit seiner Frau unruhig im Bette lag und beide vor Kummer nicht einschlafen konnten. Sie aber nahm ihn in die Arme und versuchte, ihn zu trösten.

„Es wird schon vorübergehen“, sagte sie, „und solange du keinen Fisch fängst, will ich mit den Mädchen in den Wald gehen und Beeren und Pilze suchen.“

Und das war – so fand die gute Frau – fürs erste sicher keine schlechte Idee: Jetzt im Sommer wuchsen im Wald genügend Früchte und später würde man dann schon weiter sehen. Immer konnte die Pechsträhne ihres Mannes ja nicht fortdauern.

Darin aber hatte sie sich gründlich getäuscht. Den Sommer und Herbst über konnte sie mit ihren Töchtern die Familie recht und schlecht über Wasser halten, doch als der Winter kam, waren alle Vorräte verbraucht, im Wald wuchs nichts Essbares mehr und schon bald würde der See zufrieren. Das aber war ohnehin einerlei, hatte der Fischer doch, obwohl er täglich auf den See hinausfuhr, seit Wochen keinen Fisch mehr gefangen.

So verzweifelt waren sie schließlich alle, daß sie nicht mehr ein noch aus wussten. Doch wie der Fischer früh am nächsten Morgen, wenn auch ohne jede Hoffnung, wieder auf den See hinausfuhr, sah er dort, wo er am tiefsten ist, knapp unter der Oberfläche plötzlich einen gleißenden Schein.

Die Fortsetzung findet sich im Schlesischen Tagebuch Bd.2, 56 Seiten, Format A4, Klebebindung mit zahlreichen farbigen Fotos, für 15 Euro bestellbar hier

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