Schlesisches Tagebuch

Liebeserklärungen und andere Merkwürdigkeiten

Archiv für Juni, 2007

Schlesiertreffen

Als schöner Erfolg lässt sich das kulturelle „Schlesiertreffen“ am 20.6.2007 im Turm der Krefelder Friedenskirche verbuchen. Nach meinem persönlichen Empfinden war es eine runde, gelungene Veranstaltung in sehr ansprechendem und adäquatem Ambiente. Besonders beeindruckend in der großartigen Akustik des Kirchturms: der Gesang von Ewa Stoschek.

Hier einige Eindrücke von der Veranstaltung:

_01.jpg  _04.jpg

_02.jpg

Nochmals sei an dieser Stelle ausdrücklich Irena Zejmo gedankt, ohne deren engagierte Tatkraft dieser schöne Abend so niemals stattgefunden hätte. Übrigens soll bei dieser Gelegenheit endlich auch einmal auf die zwei Lyrikbände hingewiesen werden, die Irena im polnischen Verlag „Adequat“ veröffentlicht hat:

Nasionko dmuchawca, ISBN 83-89147-08-4, erschienen im Jahre 2004
Anatomia uczuc, ISBN: 83-89147-05-X, erschienen im Jahr 2005

Zu Irenas lyrischer Arbeit später mehr.

Geschichtliches über Ozimek

Viele Informationen über die Geschichte von Ozimek finden sich hier

Fischteich in Poliwoda

Eine eher technisch orientierte Informationsseite im Internet hat auch unser Fischteich in Poliwoda. Wer wissen will, welchen Fisch er wie, wann und warum dort fangen kann, findet hier Orientierung.

poliwoda1.jpg  poliwoda2.jpg

poliwoda3.jpg

Malapane / Ozimek

Über Ozimek bzw. Malapane und die dortige Hütte ist hier schon an anderer Stelle geschrieben worden.

Heute lernte ich, dass dort auf Bestellung des Reichsgrafen Niclas von Burghaus auf Laasan die erste gußeiserne Brücke auf dem europäischem Festland gefertigt wurde, die ab dem Jahre 1796, knapp 20 Jahre nach dem Bau der ersten eisernen Brücke der Welt über den Severn bei Coalbrookdale (England), bei Laasan/ Niederschlesien über das Striegauer Wasser führte – dies allerdings nur bis zur Sprengung durch die Deutsche Wehrmacht im Jahre 1945.

Ewa Stoschek

Auf das bevorstehende „alternative Schlesiertreffen“ am Mittwoch, den 20.6.2007 im Turm der Krefelder Friedenskirche ist hier schon mehrfach hingewiesen worden. Heute sei die Gelegenheit genutzt, die Sopranistin Ewa Stoschek vorzustellen, die an diesem Abend drei musikalische Leckerbissen zu Gehör bringen wird, nämlich:

- das fröhlich, unkompliziert und leicht daherkommende Lied „Slicznyz chlopiec“ von Frederic Chopin
- das Lied „Lecioly zurazie“ von Karol Szymanowski über das Leiden eines jungen Mädchens, das sich von ihrem Geliebten trennen musste (gesungen im Kurpie-Dialekt)
- die Arie „Vissi d’arte“ aus Puccinis „Tosca“

Hier einige Informationen aus der Vita von Ewa Stoschek:

Geboren in Ratibor (Polen) nahm sie nach früher musikalischer Unterrichtung zunächst an der Musikschule des II. Grades in Oppeln eine Ausbildung auf und schnell wurde Gesang zu ihrem Schwerpunkt. Noch während der Ausbildung sammelte sie die ersten Konzerterfahrungen. Bereits als junge Sängerin wurde die Jury des Wettbewerbs der Lieder und Arien von Karol Kurpinski in Włoszakowice (Mai 1999) auf sie aufmerksam und wählte sie in die Finalrunde. Ihre sängerische Begabung und das immer größer werdende pädagogische Interesse haben sich im Schulmusikstudium an der Schlesischen Universität in Kattowitz vereint, das sie mit Magister abschloss.

Nach dem Umzug nach Deutschland studierte sie an der Folkwang-Hochschule Essen Gesang mit Gesangspädagogik bei Prof. Rachel Robins und erhielt 2005 ihr Diplom. Meisterkurse und eine weitere private Ausbildung erhält sie u. a. bei Ks. Prof. Reinhard Leisenheimer und Thomas Heyer.

In ihren zahlreichen Auftritten in In- und Ausland bringt Ewa Stoschek ihr breites Opern- und Operettenrepertoire als lyrischer Sopran zum Ausdruck. Sie wirkte in verschiedenen Opernproduktionen mit, u.a. als Mutter in Humperdincks „Hänsel und Gretel“.

Ihre besondere Liebe gilt jedoch dem Lied- und Konzertgesang. Etliche Liederabende gelten dem Liedschaffen von Brahms, Schubert, Strauss, Debussy, Barber, insbesondere aber den Liedern polnischer und tschechischer Komponisten, wie Chopin, Szymanowski, Karłowicz, Dvořak.

Ewa Stoschek verfolgt ebenso eine rege Konzerttätigkeit im Oratoriumbereich. Zu ihrem Repertoire gehören die Sopranpartien der Bachschen Passionen, der Mozartschen Messen und mehrerer großen Oratorien, wie Messias oder Elias.

Leidenschaftlich widmet sich die Sopranistin dem Unterrichten und ist als Stimmbildnerin und Gesangslehrerin tätig.

Kapellen

Obwohl mitunter versteckt, prägen sie die schlesische Landschaft: kleine Kapellen, Orte des Einhaltens und stiller Andacht überall am Wegrand. Irgendwann erzählte mir jemand, dass Teile der russischen Armee sich mangels anderer Orientierungspunkte im zweiten Weltkrieg an ihnen entlang den Weg nach Westen bahnte und dies mit Erfolg, ist doch ihre Zahl überwältigend groß. Ob diese Information stimmt, weiß ich nicht.

Fest steht allerdings, dass es allein in unserer unmittelbaren Umgebung rund um Biestrzynnik zahlreiche Kapellen gibt, von den Heiligenkreuzen einmal ganz abgesehen.

img_6239.jpg

img_6246.jpg

img_6499.jpg

img_6500.jpg

img_6501.jpg

Natürlich Oder – Fotoausstellung in Königswinter

Eine interessante Fotoausstellung eröffnet am 22.6. das Museum für schlesische Landeskunde in Königswinter-Heisterbachrrott.

Unter dem Titel „Natürlich Oder. Ein Fluss wird neu entdeckt“ werden Fotos des international erfahrenen Expeditionsfotografen Willy Sinn gezeigt, der den Strom von Frankfurt/Oder bis Gleiwitz aus den unterschiedlichsten Perspektiven im Bild festgehalten hat. Nicht nur die teilweise sehr ursprünglichen landschaftlichen Schönheiten mit ihrem heute hohen ökologischen Wert, auch die Silhouetten wichtiger Städte, prägnante Brückenbauwerke und interessante technische Details der Schleusen und Kraftwerke an der Oder werden in dieser Ausstellung gezeigt. Eine reizvolle Fahrt auf der „Lebensader Schlesiens“, die dazu beitragen möchte, diesen Fluss erneut zu entdecken.

Infos gibt es hier

Einladung zum „alternativen Schlesiertreffen“

Nochmals sei auf die bevorstehende Veranstaltung im Rahmen der Reihe „KulTurm“ im Kulturpunkt der Krefelder Friedenskirche aufmerksam gemacht.

Unter dem Titel „Schlesisches Tagebuch“ werde ich – unterstützt von drei weiteren Künstlern – versuchen, meine Gäste im Rahmen eines – wollen wir sagen – „alternativen Schlesiertreffens“ zu unterhalten und statt bekannter Stereotypen ein frisches, augenzwinkerndes Bild über Land und Leute zu zeichnen:

Ausführende:

die Sopranistin Ewa Stoschek mit ihrer Vokalkunst, am Piano begleitet von Hans-Günther Bothe,
meine Frau Mauga mit einer Auswahl ihrer Gemälde zum Thema
und ich selbst mit Texten aus dem „Schlesischen Tagebuch“.

Mittwoch, den 20.6.2007, 20 Uhr im Turm der Krefelder Friedenskirche

Unser ausdrücklicher Dank geht an dieser Stelle an Irena Zejmo, ohne deren Engagement es eine solche Veranstaltung nicht gegeben hätte.

Leider hat auch sie nicht verhindern können, dass der Veranstalter ohne Rücksprache mit uns einen Publikums-Verhinderungs-Eintrittspreis i.H.v. 10 € festgesetzt hat. Wer sich selbst davon nicht abschrecken lässt, wird mit Handschlag begrüßt.

Nach dem Unwetter

Ein Foto von Ewa, „taken after a storm in my nearest neighbourhood in this magic time, which the French call an hour „entre chien et loup“ i.e. between the dog and the wolf…“

Schlesien in der Malerei

Weil es hier ja um Schlesien geht, sei es erlaubt, auf drei Filme über die Arbeit meiner Frau Mauga zu verweisen, die nicht nur aus Schlesien stammt, sondern in ihrer künstlerischen Arbeit auch immer wieder dorthin zurückfindet.

Oder direkt bei YouTube:

Schlesische Impressionen # 1
Schlesische Impressionen # 2
Painting silesian landscapes

Fronleichnam

Ewa schickt einige Fotos von den diesjährigen Fronleichnams-Prozessionen im Raum Kattowitz.

          

Die Oder

866 km weit fließt die Oder als europäischer Fluss durch Tschechien, Polen und Deutschland zur Ostsee. Rechnet man die Warthe als Quellfluss, ergibt sich eine Gesamtlänge von 1045 Kilometern. Als Ergebnis des Zweiten Weltkrieges wurde sie ab der Einmündung der Lausitzer Neiße bis Mescherin/ Gryfino im Rahmen des Potsdamer Abkommens am 2.8.1945 bis zum Abschluss einer endgültigen Friedensregelung zur polnischen Westgrenze und damit Teil der sog. „Oder-Neiße-Linie“.

Die Namensherkunft des Flusses ist nicht eindeutig geklärt; möglicherweise leitet er sich ab vom germanischen adra für Wasserader. Das Wort ist mit dem griechischen Wort ήtoρ (étor) verwandt. Während der Völkerwanderung wandelten die Slawen den Namen in Vjodr um. Möglicherweise bedeutet das vorgestellte „Vj“ Fluss im Sumpf, was den Gegebenheiten zu jener Zeit entspräche.

Überfahrt per Muskelkraft

Interregionaler Kulturaustausch

Für Kunst- und Kulturinteressierte mit „internationaler Gesinnung“ fürfte die Gesellschaft für interregionalen Kulturaustausch e.V. sein.

Die Aktivitäten des Vereins konzentrieren sich auf:

a) die Erforschung der Kultur- und Sozialgeschichte ost- und westeuropäischer Regionen und ihre Darstellung durch Ausstellungen, Veröffentlichungen, Tagungen, um den Vergleich historischer, sozialer und kultureller Erfahrungen zu ermöglichen;
b) die Ermöglichung und Förderung der direkten Begegnung zwischen Menschen der verschiedenen Regionen, z.B. durch Konzeption und Organisation von Werkstattprojekten, Seminaren, Tagungen und Bildungsreisen;
c) die Präsentation traditioneller und zeitgenössischer Kunst der verschiedenen Regionen in Europa.

Oberschlesien im preussisch-deutschen Denken

Ein hoch interessanter Artikel über das sich wandelnde Bild des Oberschlesiers im preussisch-deutschen Denken seit 1742 findet sich hier.

Von dort auch eine historische Tuschezeichnung (?) des Hochofens in Ozimek/ Malapane.

hochofeninmalapane.jpg

Antek und Franzek

Was dem Kölner sein Tünnes und Schäl, sind dem Oberschlesier die beiden Originale Antek und Franzek, die als Antek und Frantek übrigens auch im Ruhrgebiet einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt haben. 

Da die Oberschlesier zuweilen nicht unbedingt als extrem kultivierte Menschen galten, zielen die vielen über die beiden kursierenden Anekdoten oft auf schlechte Deutschkenntnisse ab (in manchen Quellen werden sie auch als Zeugnis einer unverhohlenen herablassenden Haltung bezeichnet), bescheinigen ihnen aber zugleich eine außerordentliche Schlagfertigkeit. Die nachfolgende dokumentiert zudem eine durchaus vorhandene Bildungsbeflissenheit:

Antek trifft wieder einmal seinen Freund Franzek und berichtet ihm stolz davon, dass er seit einiger Zeit eine Abendschule besucht. Zugleich lässt er sich dazu hinreißen, mit seinen inzwischen erworbenen Kenntnisse ein wenig zu prahlen, weiß er doch genau, dass er damit dem Franzek gegenüber im Vorteil ist.
„Nu, Pierron, weißt du, was ist ein Horizont oder was ist Intervention?“, fragt er ihn deshalb.
„Nein, Pieronje“, antwortet Franzek, „aber weißt Du, was ist Krawuttke?“ 
„Nein“, sagt der Antek.
„Nu“, klärt Frantek ihn auf, „das ist Mann, wo kommt zu deiner Frau, wenn du bist auf Abendschule.“

Zwei weitere Geschichten:

Eines Tages schlendern Antek und Franzek, in philosophisches Schweigen vertieft, am Klodnitzkanal entlang auf Laband zu. Auf einmal bleibt Antek stehen, schaut sich den Franzek durchdringend an und sagt:
„Weißt du, Franzek, da macht ich ja schont lange wissen, warum den Fische kenn ieberhaupt nich sprechen.“
Franzek überlegt eine Weile und fragt dann verwundert: „Waas, das wundert dich?“
„Jäsder, ja, das wundert mich.“
„Du Duppa“ ‚ sagt Franzek, „da brauchs dich je kein bissel wundern! Sprich du doch mal, wenn du hast dem Frässe unten im Wasser!“

Ein anderes Mal fährt Antek mit dem Fahrrad frühmorgens „auf Schicht“ – immer so zwischen den Schienen der Elektrischen. Die kommt hinterher und hat ihn bald ein. Der Schaffner klingelt „wie verriekt“‚ doch Antek fährt ruhig weiter. Da wird der Schaffner „schlächt“ ‚ reißt das Fenster auf und schreit: „Kann Sie nich ausweichen?“
Antek ruft ganz „trecken“ zurück: „Ich schon, bloß du nich!“

Schlesische Ortsliste

Eine vollständige (?) schlesische Ortsliste, abrufbar nach deutschen und polnischen Namen, findet sich hier.

Eichendorff

So holen einen mitunter die Dinge ein. Löste der Name Eichendorff während des Studiums nur mäßiges Interesse in mir aus, zwingt mich nicht nur meine zwischenzeitliche Annäherung an Schlesien zur einer intensiveren Beschäftigung mit diesem in der Literaturgeschichte ja doch noch immer hoch gehandelten Romantiker, sondern auch der Umstand, dass meine Frau im September dieses Jahres mit Illustrationen und Bildern zum „Taugenichts“ zu einer Eichendorff-Ausstellung im Museum für schlesische Landeskunde in Königswinter beitragen wird (Näheres dazu in ihrem Blog).

eich.jpg

Das Bild zeigt das im Jahre 1906 (?) enthüllte Eichendorff-Denkmal zu Ratibor, ganz in der Nähe seiner Geburtsstadt Lubowice.

Der Vollständigkeit wegen hier auch ein Foto seines Grabmals auf dem Jerusalemer Friedhof  in Nysa/ Neisse, das ich auf einer eigens dem Gedenken an Eichendorff dienenden Website unter www.eichendorff.com gefunden habe.

grab.jpg

Einige weiterführende Links:

XLibris
Projekt Gutenberg/ Textsammlung
Gedichtsammlung

Burgruine Tenczyn

Von einer Reise nach Tenczyn, dem sog. Tor zur Malapolska nahe Krakau, schickt Ewa ein Foto der dortigen, die ganze Umgebung beherrschenden Burgruine.

tenczyn.jpg

Im 16. Jahrhundert erfuhr die gotische Burg einen Umbau in eine palastartige Renaissanceresidenz. Im Jahre 1636 wurde sie von schwedischen Truppen zerstört und niedergebrannt. Trotz der Vernichtung war sie noch ab Anfang des 18. Jahrhunderts wieder bewohnt. Die Burg Tenczynek gehörte zu den typischen Wehrbastionen, die einst die Verkehrswege nach Krakau schützen sollten. An die ehemalige Residenz erinnert noch die gut erkennbare Gebäudeanordnung und gewichtige Teile der steinernen Wehrmauern.

Pejzaż ze śląskiego podwórka

Hier also ein brandneues Gedicht von Ewa Parma (eine halbwegs adäquate Übersetzung liegt leider noch nicht vor):

Pejzaż ze śląskiego podwórka (według Maugi)

Najważniejszy jest płot.
Można się na nim oprzeć łokciami,
wieści ze świata nasłuchać,
pranie wysuszyć i garnki;
na ławce usiąść z sąsiadem,
pogadać, kufelek wypić.

Za płotem ciemny las,
za lasem wielki świat,
co zjawia się czasem
wraz z dzwonkiem u roweru
Antka – listonosza,
w kopercie z cudzoziemskim
znaczkiem barwnym
jak diabelska czapka.

Wiatr wtedy w brzozach się zrywa
i sroki odlatują spłoszone,
gospodarz po trzykroć się żegna
i szczelniej domyka furtkę,
by złe dostępu nie miało
do jego skrawka nieba
i zostało za płotem.

Katowice, 30.05.2007.