Schlesisches Tagebuch

Liebeserklärungen und andere Merkwürdigkeiten

Ozimek

Mein Dorf Biestrzynnik gehört – ebenso wie die Ortschaften Antoniów (Antonia), Chobie, Dylaki (Dylocken, 1936–45: Thielsdorf), Grodziec (Friedrichsgrätz), Krasiejów (Krascheow, 1936–45: Schönhorst), Krzyżowa Dolina (Kreuzthal), Mnichus, Schodnia (Alt Ostdorf, bis 1914 Alt Schodnia), Nowa Schodnia (Neu Ostdorf, bis 1914 Neu Schodnia) und Szczedrzyk (Sczedrzik, 1934–45 Hitlersee) – verwaltungstechnisch der Großgemeinde Ozimek (dt. Malapane) an. Ozimek ist eine, rund 20 km östlich von Oppeln am Fluss Malapane gelegene Stadt mit inzwischen 10.166 Einwohnern und einer Fläche von 3,25 km². Fünf Kilometer nordwestlich der Stadt befindet sich der Turawa-Stausee. Das Gebiet der Großgemeinde, d.h. inklusive aller Ortschaften ist natürlich sehr viel größer: Es umfasst 126,5 km², auf denen 21.536 Menschen leben.

Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts befanden sich auf dem heutigen Stadtgebiet dichte Wälder. Daran hat sich rund um die Stadt auch bis heute nicht sehr viel geändert. Nachdem an der Malapane große Raseneisenerzlager (das sind Sedimentfraktionen mit besonders hohem Eisengehalt) entdeckt wurden, erfolgte in den Jahren 1753/54 auf Befehl König Friedrichs II. von Preußen der Bau von zwei Hochöfen am Fluss.

Zusammen mit den Frischherden in Krasiejów (dt. Krascheow), Jedlice und Debska Kuznia (dt. Dembiohammer), in denen das Roheisen von unerwünschten Begleitstoffen befreit wird, entstand aus diesen Hochöfen die erste staatliche Eisenhütte in Oberschlesien, das Eisenhüttenwerk Malapane. Ab 1780 wurde der Ort Sitz eines königlichen Hüttenamtes.

Die Hüttenleute wurden aus den westlichen Provinzen Preußens angeworben, für sie wurde die Kolonie Hüttendorf (heute ulica Wyzwolenia) errichtet. Den Bau der Kolonie, der 1762 begann, leitete der Oberforstmeister Johann Georg Rhedanz, unter dessen Regie auch schon der Bau des Hüttenwerkes erfolgt war.

Die Produktion von gusseisernen Geschützen in Preußen begann 1783 in Malapane. 1789 wurde auf dem Werk die Anwendung von Koks für den Schmelzprozess anstelle der bis dahin üblichen Holzkohle eingeführt. Die erste Dampfmaschine errichtete der aus Ellrich im Harz stammende August Friedrich Holzhausen im Jahre 1794. Die erste gusseiserne Brücke Deutschlands, die später führte in Laasan, einem Ortsteil von Jena über das Striegauer Wasser führte, wurde 1796 hier gegossen.

1801 entstand in Malapane ein Denkmal für den 1765 verstorbenen Oberforstmeister Rhedanz nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel. Auch die 1819 errichtete evangelische Kirche stammt von Schinkel.

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Foto-Quelle

Neben der Kanonengießerei war Malapane auch für seinen Kunstguss bekannt. Beispiele dafür sind der 23 m hohe und 12,5 Tonnen schwere Obelisk von Ullersdorf (pl. Oldrzychowice Klodzkie) aus dem Jahre 1802 oder auch die Kettenbrücke in Malapane von 1827, die erste Hängebrücke in Europa. Gebaut wurde sie nach den Plänen des Machineninspektors Schottelius. Diente sie bis 1938 noch dem allgemeinen Verkehr auf der Strecke Ozimek-Zawadzkie, ist sie heutzutage als Fussgängerbrücke auf dem Gebiet der Hütte nach wie vor in täglichem Gebrauch.

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Mit dem Entstehen des industriellen Zentrums Oberschlesien wurde Malapane zu einem der größten Stahlproduzenten Schlesiens. Der Eisenguss wurde eingestellt, weil die Raseneisenerzlagerstätten in der Umgebung abgebaut waren.

1944 gehörte das Hütten- und Edelstahlwerk Malapane zu den Vereinigten Oberschlesischen Hüttenwerken AG und beschäftigte ca. 3.000 Arbeitskräfte.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erhielt der Ort den Namen Ozimek. Namenspatron war ein Müller, dessen Mühle vor der Errichtung des Hüttenwerks an der Malapane stand.

Das Werk wurde nach dem Krieg als Hüttenkombinat Mala Panew wieder aufgebaut und beschäftigte um 1975 ca. 7.000 Menschen. Nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft in Polen und der Öffnung zu den internationalen Märkten musste die Hütte in Ozimek im Jahre 1989 die Produktion nahezu einstellen, da sie der Konkurrenz auf dem Stahlmarkt nicht gewachsen war. Damit ging eine fast 250-jährige Tradition der Eisen- und Stahlproduktion in Malapane dem Ende zu; aktuell sind nurmehr wenige hundert Menschen dort tätig.

Seither entwickelt sich Ozimek zu einem Erholungsort am Turawa-Stausee, an dessen Ufern einige Ortschaften der Gemeinde liegen. Ozimek war seit 1954 eine städtische Siedlung und erhielt im Jahre 1962 Stadtrecht.

Hier die rasante;-) Bevölkerungsentwicklung von Ozimek:

1885: 185 Einwohner / 1925: 1.131 / 1939: 3.998 / 1957: 3.500 / 1961: 3.698 / 1971: 5.000 / 2004: 9.833 / 2005: 9.732 / 2006: 10.166

Neben seiner industriellen Tradition hat allerdings auch Ozimek einige kulturelle Blüten hervorgebracht: Hier geboren z.B. wurde im Jahre 1942 der Schriftsteller Gerd-Peter Eigner, der allerdings nach erfolgreicher Fucht schon im Jahre 1949 gemeinsam mit der Mutter eine neue Heimat in Wilhelmshaven fand. In seinen erzählerischen Werken spielen Selbstreflexion und Selbstanalyse problematischer Charaktere eine bedeutende Rolle. Gerd-Peter Eigner, der von 1972 bis 1986 dem Verband Deutscher Schriftsteller angehörte und Mitglied des PEN-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland ist, erhielt neben diversen Stipendien u.a. folgende Auszeichnungen: 1978 den Hörspielpreis des Österreichischen Rundfunks und den Kulturpreis der Stadt Bocholt, 1979 ein Villa-Massimo-Stipendium, 1982 das Stadtschreiberamt von Burg Kniphausen bei Wilhelmshaven, 1983 den Förderpreis zum Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen sowie 2005 die Dr. Manfred Jahrmarkt-Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung.

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